Ein Licht wie Tag und Nacht

Im Original: “Twilight” – von Chester Pierce Munroe – aus: The Conservative, Vol. II, No. III (1916)

– aus dem Englischen neuübersetzt von Stefan Zimmermann – Licensed under CC BY-NC 4.0

Zuhause ist, wo der Dämon es will

Im Original: Fungi from Yuggoth – V. Homecoming (1929/30) – von H. P. Lovecraft

– aus dem Englischen neuübersetzt von Stefan Zimmermann – Licensed under CC BY-NC 4.0

Der Namenlose zwischen Eichen

Im Original: Fungi from Yuggoth – IV. Recognition (1929/30) – von H. P. Lovecraft

– aus dem Englischen neuübersetzt von Stefan Zimmermann – Licensed under CC BY-NC 4.0

Aufschluss. Reiche. Worte.

Im Original: Fungi from Yuggoth – III. The Key (1929/30) – von H. P. Lovecraft

– aus dem Englischen neuübersetzt von Stefan Zimmermann – Licensed under CC BY-NC 4.0

Vom Nebel in den Dunst getrieben

Im Original: Fungi from Yuggoth – II. Pursuit (1929/30) – von H. P. Lovecraft

– aus dem Englischen neuübersetzt von Stefan Zimmermann – Licensed under CC BY-NC 4.0

In der Fäule liegt der Foliant

Im Original: Fungi from Yuggoth – I. The Book (1929/30) – von H. P. Lovecraft

– aus dem Englischen neuübersetzt von Stefan Zimmermann – Licensed under CC BY-NC 4.0

Von süßer Pracht und endlos’ Nacht

Im Original: Auguries of Innocence – aus: The Pickering Manuscript (1807) – von William Blake

– mithilfe von Shmoop’s Study Guide aus dem Englischen neuübersetzt von Stefan Zimmermann – Licensed under CC BY-NC 4.0

Wer sieht im Sandkorn eine Welt,
In Wiesenblüte Himmelskleid,
Unendlichkeit in Händen hält,
Und Stunden werden Ewigkeit.
Ein Kehlchen Rot im Käfig haust,
D’rauf aller Himmel Zorn erbraust.
Wenn Taubenschläge überfüllt,
Ein jeder Höllenkreis erbrüllt.
Ein Hund, verhungert vor dem Tor,
Ruft Untergang im Staat hervor.
Wird unterwegs ein Pferd gequält,
An Menschenblut ’s dem Himmel fehlt.
Gejagten Hases jeder Schrei
Reißt einen Strang im Hirn entzwei.
Ein Lerchenflügel, der verletzt,
Dem Cherub den Gesang aussetzt.
Am Hahn, gestutzt, zum Kampf geschickt,
Die Morgensonne sich erschrickt.
Mit jeden Wolfs & Löw’s Geheul’
Erhebt sich Höllenseele neu.
Das Rotwild, das sich frei bewegt,
Den Menschenseelen Last entlegt.
Gequältes Lamm reizt öffentlich
Und doch vergibt des Schlachters Stich.
Spätabends fliegt die Fledermaus
Dem ungläubigen Hirne aus.
Der Ruf der Eule in die Nacht
Des Ungläubigen Furcht entfacht.
Wer kleines Sperlings Schmerzen schürt,
Soll nie erfahren Menschenwürd’.
Wer je den Ochs’ zum Zorn hintrieb,
Soll nie von einer Frau geliebt.
Den Jungen, der die Fliege quetscht,
Fortan die Spinne feindlich hetzt.
Wer eines Käfers Seele raubt,
In ewig’ Nacht sich eingelaubt.
Die Raupe auf dem Apfelblatt
Erinnert Dich der Sündentat.
Töt’ Schmetterling noch Motte nicht;
Es stetig naht das Endgericht.
Wer richtet ab zum Krieg das Pferd,
Der nie durch Jenseitspforten fährt.
Der Witwe Katz’ & Bettlers Hund:
Ernähr’ sie & auch Du wirst rund.
Es wird der Mücke Sommersang
Vergiftet durch Verleumdungsdrang.
Der Schlange & des Molches Gift
Dem Schweiß der Missgunst Fuß entspricht.
Das Gift der Honigbiene mehrt
Der Künstler, der am Neid sich nährt.
Sowohl des Prinz’ & Bettlers Kleid
Als Giftpilz auf dem Geiz gedeiht.
Wer bösen Willens Wahrheit sagt,
Der alle Lügen überragt.
So ist es & so war’s erdacht:
Der Mensch für Freud’ & Leid gemacht;
Und wenn dies’ Einsicht uns erwacht,
Geborgenheit der Welt uns lacht.
Verwebt sind Freud’ & Leid so fein
Zum Seelenkleid, das hüllt uns ein,
Dass unter Gram & jeder Pein
Ein seid’nes Garn der Freude scheint.
Nicht bloß die Windel prägt das Kind;
In jedem Menschenland entspringt
Dem Fleiß das Werkzeug, Hände sind
Gebor’n; und jeder weiß: Es stimmt.
Ein jeden Auges Träne steigt
Empor zum Kind der Ewigkeit.
Im Schutz der Schicksalsdamen Glanz
Beginnt es seinen Freudentanz.
Gebell, Gebrüll, gejauchzt, geplagt,
Ist Himmelsufers Wellenschlag.
Das Kind, das vor der Rute weint,
Mit Rache nach dem Tod sich eint.
Wenn Bettlerskluft im Winde weht,
Der Himmel selbst in Fetzen steht.
Mit Schuss & Schwerthieb der Soldat
Die Sonne trifft, in die er starrt.
Des Armen Grosch’ hat höh’res Maß
Denn alles Golde Afrikas.
Mit Scherflein aus des Löhners Hand
Soll zahlbar sein der Geiz’gen Land;
Und wenn von oben unterstützt,
Dem ganzen Staatsgeschäft es nützt.
Wer Kindes Glauben nur verhöhnt,
Sich nie mit Zeit & Tod versöhnt.
Wer Zweifel sät in Kindes Geist,
Im Grabe ewig rottend kreist.
Wer Kindes Glauben jedoch schätzt,
Der Tod & Hölle gar versetzt.
Der Jugend Spiel & Alters Rat
Als Lebensfrüchte sind gepaart.
Dem, der nur listig Fragen stellt,
Sich keine Antwort zugesellt.
Wer Zweiflern dennoch Antwort gibt,
Der Weisheit jedes Licht entzieht.
Das stärkste Gift, das je bekannt,
Des Cäsars Lorbeerkranz entstammt.
Es kann die Menschheit nichts entstell’n
Wie einer Rüstung eisern’ Schell’n.
Ein Pflug aus Gold & Diamant
Beschert der Missgunst Kunstverstand.
Nur Rätseln oder Grillenschrei’n
Vermag des Zweifelns Antwort sein.
Von Ameis’ Blick & Adlers Sicht
Der Philosoph verlegen spricht.
Wer nur bezweifelt eig’nen Blick,
Dem fehlt zum Glauben das Geschick.
Falls Zweifel Sonn’ & Mond erwischt,
Ihr beider Licht sofort erlischt.
Mit Leidenschaft man Gutes tut,
Solang’ sie trotzt dem Übermut.
Der Staat, der Spiel & Hurerei
Gewährt, ruft sich sein Los herbei.
Der Dirnen Schrei durch Straßen schwebt
Und Englands Leichentücher webt.
Gewinnerrausch, Verliererfrust
Sind Englands Leichenwagens Lust.
In jeder Nacht & jeder Früh
Erblickt der Mensch das Elend; wie
In jeder Früh & jeder Nacht
Der Mensch erblickt die süße Pracht.
Wie Einige die süße Pracht,
Trifft Andere die endlos’ Nacht.
Der Lügenglaube uns verschlingt,
Wenn Sicht die Augen nicht durchdringt,
Die nachts entsteh’n & nachts vergeh’n,
Da Seelen nur das Licht versteh’n;
Und Gott erscheint & Licht erwacht
Den armen Seel’n der endlos’ Nacht
Und gar als Mensch all’ Die empfängt,
Die es ins Reich des Tages drängt.

Der Sterne Überschwang

Im Original: The Star-Treader (1912) – Teil I – von Clark Ashton Smith

– aus dem Englischen neuübersetzt von Stefan Zimmermann – Licensed under CC BY-NC 4.0

Eine Stimme schrie zum Anbeginn der Träume,
Sprach: „Beeil’ Dich: das Geweb’ aus Tod und Leben
Ist hinfortgefegt, und jede Erdenstrebe
Bricht entzwei; es schimmern in die Räume
Deine altbewährten Sternenpfade,
Deren Flammen in Dir glühen;
Tiefe, unveränderliche Gründe ziehen
Voll der Dunkelschwaden
Sich durch alle Deine Phantasien.
Schreite unversehrt voran ins Glänzen
Jener Sterne, die Du lange Zeit schon kennst; und
Dringe furchtlos in die Weiten,
Die Dich nie verschlangen in vergang’nen Zeiten.
Eine Hand wird deren Ketten sprengen,
Dir die Pforten durch die Jahre weisen;
Bindungen aus Erdenglück und Tränen reißen,
Und Dein Traum eröffnet sich den Überschwängen“

Eine unheilvolle Brise

Im Original: “Song of the North Wind” – von Winifred Virginia Jordan – aus: The Conservative, Vol. I, No. IV (1916)

– aus dem Englischen neuübersetzt von Stefan Zimmermann – Licensed under CC BY-NC 4.0

Woher ich kam, wo einst ich schlief:
Geheim auf Ewigkeit,
Ob Himmelshöhe, Höllentief,
Ich mehre Euer Leid;
Doch kündet Ihr mich herrschaftlich –
Im Leuchtraketenschein –
Mit sanfter Brise künde ich:
Bald breche ich herein.

Geboren ward ich vor der Welt,
Alt, als sie mich empfang,
Ein Fremdling, aus dem All bestellt,
Mein Schrei war erster Sang:
Alt war ich, als Gedankenkraft
Aus Feuer ward befreit;
Mein eisig’ Hauch hat Land geschafft,
Als Spiel in leblos’ Zeit.

Als schwach sich Leben ihm entwand,
Hielt ich den Atem flach,
Und Berg und Fluss und Mensch entstand,
In Todes Brust erwacht;
Gen Erde fuhr’n mir aus der Haut
Der Wechselbälger drei:
Das Lustblut meiner lieblich’ Braut
Durchfließt sie maßlos, frei.

Der Nordstern ist mein Leuchtsignal,
Ich bin der Arktis Fürst,
Mein Atem wirbelt infernal,
Ich sing’ – der Berg zerbirst;
Endloser Ruhm mich lächelnd reizt
Und Segel eisern’ Schiffs;
Ich zürne, bis der Rumpf sich spreizt
Und quetscht in meinem Griff.

Verwüste gern fruchtbares Land
Schlag’ auf die Blüten ein,
Verderb’ die Ernte kurzerhand,
Ersticke sie im Keim;
Den Bäumen stehl’ ich Blatt und Ast,
Egal, wie ich geneigt,
Verderbnis werf’ mit größter Hast
Ich tausend Meilen weit.

Ich giere tobend nach dem Meer,
Ich stürme es mit Braus,
Auf Felsen streu’ ich Wracks umher,
Lass’ keine Küste aus;
Ich reiß’ am Deck und wirbel’ mich,
Sie schlagen Luken zu,
Erst spotte und dann labe ich –
Sie finden ewig’ Ruh’.

Woher ich kam, wo einst ich schlief:
Geheim auf Ewigkeit,
Ob Himmelshöhe, Höllentief,
Ich mehre Euer Leid;
Doch kündet Ihr mich herrschaftlich –
Im Leuchtraketenschein –
Mit sanfter Brise künde ich:
Bald breche ich herein.

Von wolkenspät bis winterfrüh

Im Original: A Sunset & The Cloud-Islands & The Snow-Blossoms – aus: The Star-Treader and Other Poems (1912) – von Clark Ashton Smith

– aus dem Englischen neuübersetzt von Stefan Zimmermann – Licensed under CC BY-NC 4.0

Wie Blut aus ungeheu’rem Leid
Entsprang das Abendrot;
Darüber, wie ein Fledderkleid,
Der Sturmwind eifrig tobt.


Welch Wunderinseln bieten sich
Dem Abendrot als Zierde dar –
In Safransee Opale nicht
So schön erleuchten, und so klar;
Wie Hesperiden im Gedicht!

Welch wechselmagisch’ Farbenpracht
Tönt herrlich Berge und den Strand!
Welch goldblau’ Lebensstrahl entfacht
Die Täler, die zur See gewandt!
Welch amethysten’ Gipfelwacht!

Geborgen in geschwung’nem Land,
Das weit hinaus ins Meer gereicht,
Steht eine Stadt von Elfenhand
Erbaut auf hochgewund’nem Deich,
Der feurig strahlt durch schimmernd’ Sand.

Aus Abendglut der Mauern Form;
Die Kuppeln regenbogenhaft;
Und jeden hochgewachs’nen Turm
Ein gold’ner Mondlichtstrahl erschafft;
Opalbrunst jeden Saal gebor’n.

Doch ach! wie schnell der Glanz vergeht!
Wie Schleier allen Traum verzehr’n!
Wie Trübsal durch die Inseln weht,
Wenn Wolken zieh’n ins Sternenmeer,
Das jedes Tageslicht verschmäht.


Spätgestern noch die Winterbäume
Laublos, schwarz gefleckt,
Voll Wehmut Zweige und Geäst
Ins Abendrot gestreckt.

Im blütenweißen Morgengrauen,
Seinem blassen Glanz,
Bekleidet jeden kargen Baum
Ein schneegeblümter Kranz.